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Kinderrechte-Kompass erscheint auch in Einfacher Sprache

Einen Monat vor der Bundestagswahl 2021 geht unser Kinderrechte-Kompass online! Kinderrechte spielen auch rund um die Bundestagswahl eine Rolle! Der Kinderrechte-Kompass soll eine Wahlhilfe für kinderrechtlich interessierte Menschen sein und dazu beitragen, die Kinderrechte bekannter zu machen. Kein Mensch soll ausgeschlossen werden. Deshalb gibt es den Kinderrechte-Kompass auch in Einfacher Sprache.

Mithilfe von 24 Thesen, die wir gemeinsam mit Mitgliedern unseres Netzwerks formuliert haben, haben wir den Parteien auf den Zahn gefühlt: Wir wollen wissen, was die Parteien in der kommenden Legislaturperiode tun werden, um die Kinderrechte zu stärken. Auch den Parteien haben wir es bei der Beantwortung der Thesen „einfach” gemacht. Sie sollten sich festlegen und kurz und knapp sagen, ob sie den Thesen zustimmen, diese ablehnen oder dem Inhalt gegenüber neutral eingestellt sind. 

Aber ganz so leicht wollten wir es den Parteien auch nicht machen. Sie hatten bis zu 1.000 Zeichen Platz, ihre Antwort zu begründen. Die Antworten werden wir veröffentlichen. In der kommenden Legislatur werden wir dann genau hinschauen, ob diese Ankündigungen sich auch in politischen Handlungen und in der Koalitionsvereinbarung der zukünftigen Bundesregierung niederschlagen.

Der Kinderrechte-Kompass in Einfacher Sprache

Albert Einstein hat einmal gesagt:

„Klug ist jener, der Schweres einfach sagt.“ 

Da ist was dran, denn komplizierte Texte schließen aus. Es ist wichtig, dass sich alle Menschen- ohne Ausgrenzung einbringen können – auch bei unserem Kinderrechte-Kompass. Dieser soll Lust und Interesse wecken sich, mit politischen Themen auseinanderzusetzen.

Warum wir Texte öffnen

Unsere Thesen wurden von Krishna-Sara Helmle von Textöffner in eine Einfache Sprache gebracht. Ihr Job ist es Texte zu “öffnen”.  Im  Interview erklärt sie uns, warum es ihr eine Herzenssache ist, Texte in eine Einfache Sprache zu bringen. Sie erlaubt zudem einen Blick hinter die Kulissen, wie es ihr mit unseren Thesen für den Kinderrechte-Kompass in Einfacher Sprache ergangen ist.

Krishna verrät uns, dass ihr Lieblingsteil an ihrer Arbeit ist, dass sie Themen zugänglich macht, die Menschen sonst vielleicht verschlossen geblieben wären. In gewisser Weise eröffnen Texte in einfacher Sprache die Chance, etwas Neues kennenzulernen oder zu entdecken.

Obwohl die meisten unserer Thesen ganz schnell zu übersetzen gingen, waren manche doch etwas schwerer zu “knacken”. Krishna betont, dass es vor allem wichtig ist, Hintergrundinfos zu recherchieren und ein Thema vollständig zu verstehen, bevor sie es übersetzt. So war es zum Beispiel bei These 17 zum Abstammungsprinzip.

“Nur was ich selbst zu 100% verstanden habe, kann ich vereinfachen” – Krishna-Sara Helmle (Textöffner)

Thesen-Check durch Kinder und Jugendliche

Im Interview beschreibt sie auch, dass die Kinder und Jugendlichen noch besser als sie einschätzen können, ob Begriffe oder Konzepte verständlich und bei der Zielgruppe bekannt sind. 

“Sie haben mir an einigen Stellen gesagt, dass sie den Text so noch nicht verständlich finden. Aber auch umgekehrt fanden sie einige Stellen etwas zu einfach. In beiden Fällen haben wir gemeinsam überlegt, wie wir das besser ausdrücken können.“ – Krishna-Sara Helmle (Textöffner)

Beim gemeinsamen Übersetzen mit den Jugendlichen lernt Krishna auch immer noch etwas dazu. Ab und zu gibt es Überraschungen, wenn eine Formulierung  vielleicht doch gar nicht so leicht oder schwer verständlich war, wie Krishna dachte. Das zeigt, dass der Thesen-Check gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen die Übersetzung in eine einfache Sprache erst möglich macht und daher aus sprachlicher Sicht sehr wichtig ist.

Die Kinder und Jugendlichen, die gemeinsam mit Krishna an der Übersetzung gearbeitet haben, haben uns zurückgemeldet, dass sie das meiste unserer Thesen gut verstanden haben. Es musste nur an wenig Stellen nachgebessert werden Besonderes Interesse hatten die vier Jugendlichen an den Thesen und Themen zur Klimapolitik, Bildungspolitik, Menschenrechten, besonders Kinderrechten, Frauenrechte und LSBTIQ-Rechte. Gefreut hat uns die Rückmeldung, dass im Zuge des Treffens auch gleich eine Diskussion über politische Themen entbrannt ist.

Auf die Frage, ob sie einen Wahl-Kompass nutzen würden, antworteten die Jugendlichen positiv: 

„Ja, es hilft um sich zu entscheiden, wen man wählen möchte.“ 

„Ja, um so eine grobe Richtung zu bekommen.“

Die UN-Kinderrechtskonvention als Richtschnur!

Übrigens, so ganz freiwillig ist das mit der einfachen Sprache gar nicht, denn die UN-KRK gibt uns diesen Auftrag:

Artikel 13 Meinungs- und Informationsfreiheit: Jedes Kind hat nicht nur das Recht auf freie Meinungsäußerung, sondern auch ein Recht auf Informationen „jeder Art in Wort, Schrift oder Druck, durch Kunstwerke”.

Artikel 17 fordert den Zugang zu den Medien. Die Vertragsstaaten haben sicher zu stellen, dass Kinder und Jugendliche den Zugang zu Informationen und Material aus den verschiedensten nationalen und internationalen Medien haben. In Abs. d) steht auch die „Massenmedien sollen ermutigt werden, den sprachlichen Bedürfnissen eines Kindes Rechnung zu tragen.“

Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes empfiehlt deshalb den Staaten ausdrücklich, Informationen so zu verbreiten, dass alle sie verstehen. Die Barrierefreiheit gibt auch die UN-Behindertenrechtskonvention vor:

Artikel 21 der UN-Behindertenrechtskonvention erkennt u.a. das Recht von behinderten Menschen an, sich Informationen und Gedankengut frei zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben.

Pauline Richter und Kirsten Schweder

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